Praktische Theologie

Allgemeine gesellschaftliche Situationsbeschreibungen in praktisch-theologischer Perspektive wie einzelne wenige empirische Studien haben sich des Themas des Medienwandels und der Digitalisierung von Kommunikation bereits in wissenschaftlicher Hinsicht angenommen. Die grundlegende Relevanz des Themas erforderte jedoch eine konstitutive Einbeziehung in die praktisch-theologische Theoriebildung: Nach Rückwirkungen der Transformationsprozesse auf die verfasste Religionskultur wird bisher eher nur tentativ gefragt (im Blick sind hier vor allem dann Aspekte der Religionspädagogik).

Die Ziele der Projektgruppenarbeit lassen sich in vierfacher Hinsicht umreißen:

1. Netzwerkbildung: Es soll eine Vernetzung von praktisch-theologisch Forschenden im deutschsprachigen Raum wie darüber hinaus zumindest in ersten Kontakten auch über den deutschsprachigen Raum hinaus geschaffen werden, so dass a) eine Bestandsaufnahme der Forschung im skizzierten thematischen Feld möglich wird; b) die fraglos bestehenden Desiderate der Forschung im diskursiven Austausch konkreter in den Blick kommen; c) Forschungsunterstützungen und -kooperationen entstehen. Die deutschsprachige Religionsforschung in praktisch-theologischer Perspektive, die sich mit dem Phänomen der Digitalisierung von Kommunikation beschäftigt, könnte perspektivisch sehr vom Dialog mit Forschenden in den skandinavischen Ländern und dem englischsprachigen Raum profitieren. Die Projektgruppe soll jedoch zunächst die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen miteinander ins Gespräch bringen, die innerhalb der WGTh selbst bereits einzelne Aspekte des skizzierten Themenfelds bearbeitet haben bzw. die Interesse an diesbezüglichen themenorientierten Zusammenarbeit haben.

2. Arbeit am methodischen Design: Die Arbeit im Rahmen einer solchen Projektgruppe könnte freilich in unterschiedlichen Formaten- dazu dienen, die empirische Religionsforschung in diesem Bereich auf ein neues Niveau zu heben. Zwar arbeiten an unterschiedliche Orten im Kontext von Einzelprojekten einige Forschende zum Thema ‚Religion online‘, allerdings ohne dass es einen Ort zum fachwissenschaftlichen Austausch gäbe, an dem die Spezifik des Forschungsgegenstands eigens zur Aufgabe würde. Hier sind von der kollegialen Reflexion von Studiendesigns und -methoden erhebliche Effekte zu erwarten.

3. Interdisziplinarität: Spätestens seit der ‚ersten‘, dann seit der ‚zweiten‘ empirischen Wende in der Praktischen Theologie gehört der Austausch mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen zum Selbstverständnis des Fachs. So geht es der Projektgruppe um einen Dialog mit und ein Lernen von Disziplinen, die sich dem Feld des Medienwandels- und damit dem Wandel von Sozialität und Kultur prominent zuwenden. Primär sind hier die Medienwissenschaften, Kommunikationswissenschaft und Religionswissenschaften zu nennen, dann natürlich etwa auch Soziologie und Psychologie. Hier sind ebenfalls große Erträge für die praktisch-theologische Forschung zu erwarten, haben doch etwa multimodale Analysen- die den komplexen Arrangements der medienbasierten, kommunikativen Praktiken am ehesten entsprechen – längst in andere Disziplinen Einzug gehalten.

4. Theoriebildung: Mit der Projektgruppe wäre ein Weg bereitet, das Thema der Digitalisierung von Kommunikation und damit auch der (religions-) kulturellen Hybridbildung konstitutiv in die praktisch-theologische Theoriebildung einzubeziehen. Dies würde freilich auch noch einmal in besonderer Weise von dem Gespräch mit den anderen theologischen Disziplinen, insbesondere der Systematischen Theologie, leben. Dass die gesellschaftlichen Transformationsprozesse Auswirkungen auf das evangelische Sagen, Sehen und Hören haben, muss nicht eigenes betont werden. Die entscheidende Frage ist, ob und wie diese Herausforderungen von der Praktischen Theologie aufgegriffen werden.

Die Form der Projektgruppe wäre hervorragend geeignet, Relevanz und Konsequenzen des Komplexes ‚Religion und Religiosität im Kontext medialer Transformationsprozesse der Gegenwart‘ in gesellschaftlicher wie praktisch-theologischer Perspektive konkret zu erarbeiten und diskursiv zu verhandeln. Die beiden Antragstellerinnen selbst arbeiten seit einigen Jahren zum vorgestellten Thema, bringen methodisches Fachwissen wie Einsichten in Desiderate der Forschung mit. Synergieeffekte könnten noch einmal in der Kooperation mit dem ‚Arbeitskreis Empirische Religionsforschung e.V.‘ liegen, den eine der Antragstellerinnen mitgegründet hat. Die Entscheidung, eine eigenständige Projektgruppenarbeit zu beantragen, liegt in der grundständigen Relevanz des beschriebenen Themas begründet, das eine Marginalisierung erführe, subsumierte man es allein unter dem Aspekt der empirischen Religionsforschung.

Wir erbitten die Unterstützung der WGTh für diese Projektgruppe, die über einen Zeitraum von drei Jahren jeweils eine Tagung ermöglichen sollte. Für die Tagungen ist folgendes anvisiert:

  • Tagung I (2016): Digitalisierte Kommunikation und die Erforschung von Medienkulturen.

    Anvisierte externe Referenten u.a.: Prof. Dr. Andreas Hepp, Bremen; PD Dr. Stefan Meier, Tübingen; Prof. Dr. Rudolf Kammerl, Hamburg

    Kalkuliertes Volumen: insgesamt etwa 2.500 Euro

  • Tagung II (2017): Empirische Religionsforschung online (Schwerpunkt: Onlineforschung)

    Anvisierte externe Referenten/Referentinnen u.a.: Ass.Prof. Dr. Birgitte Lerheim, Oslo; AssProf. Dr. Heidi Campbell, Texas; Prof. Dr. Mia Lövheim, Uppsala

    Kalkuliertes Volumen: insgesamt etwa 3.500 Euro

  • Tagung III (2018): Zur Bedeutung des gegenwärtigen Medienwandels für die praktisch­theologische Theoriebildung

    Anvisierte Referenten/Referentinnen u.a.: Prof. Dr. Manfred L. Pirner, Erlangen; Prof. Dr. Birgit Weyel, Tübingen

    Kalkuliertes Volumen: insgesamt etwa 2.500 Euro

Im Rahmen der Tagungen sollen einzelne externe Experten und Expertinnen zu den ausgewiesenen Themen gehört werden, die in der Lage sind, für den (praktisch-) theologischen Diskurs wichtige Impulse zu liefern. Durch die geplante internationale Zusammenarbeit (s. Tagung 2) wäre es einerseits möglich, den deutschsprachigen Diskurs an den nordeuropäischen wie US-amerikanischen Diskurs anzuschließen – beide führend hinsichtlich des interessierenden Themas. Andererseits träten vor diesem Hintergrund auch die spezifischen Herausforderungen der Transformation des Religiösen für die praktisch­ theologische Theoriebildung in ihren je eigenen Kontexten in Erscheinung.

Im Sinne der Nachwuchsförderung sollen ebenfalls Doktoranden/Doktorandinnen und Habilitanden/Habilitandinnen die Möglichkeit haben, ihre entsprechenden Forschungsprojekte vorzustellen. Die jeweiligen Folgetagungen sollen an die formulierten Desiderate der vorangehenden Tagungen anschließen, laden regelmäßig die Kooperationspartner der WGTh wie in interdisziplinärer Perspektive interessierte Forscher und Forscherinnen ein. Ein Wissenstransfer zwischen den verschiedenen Arbeitsetappen soll durch interne Dokumentationen gewährleistet werden.

Darüber hinaus ist geplant, die Ergebnisse der Arbeit zu veröffentlichen (gerne im Rahmen der Reihe VWGTh).

Als WGTh-Mitglieder haben im Falle einer Bewilligung des Antrages eine Kooperation zugesagt: Prof. Dr. Wilhelm Gräb, Berlin; PD Dr. Jörg Herrmann, Hamburg; Prof. Dr. Gerald Kretzschmar, Tübingen; Prof. Dr. Manfred L. Pirner, Erlangen; Prof. Dr. Thomas Schlag, Zürich; Prof. Dr. Henrik Simojoki, Bamberg, Prof. Dr. Birgit Weyel, Tübingen.

Paderborn und Tübingen, im März 2015

Ilona Nord                                                                Kristin Merle

 


 Tagungsdokumentation


1. Projektgruppentagung "Digitalisierte Kommunikation und die Erforschung von Medienkulturen" 2016

Projektgruppentagung 2016 1Projektgruppentagung 2016 2

Die erste Tagung der praktisch-theologischen Projektgruppe der WGTh zum Thema „Religion und Religiosität im Kontext medialer Transformationsprozesse der Gegenwart“ fand unter dem Titel „Digitalisierung und die Erforschung von Medienkulturen“ vom 30. September – 02. Oktober 2016 in Würzburg statt. 

Eine Dokumentation der Tagungsbeiträge erfolgt in einem virtuellen Arbeitsraum, der den Mitgliedern der Projektgruppe zur Verfügung steht.

 

Das Tagungsprogramm finden Sie hier: Programm

 


2. Projektgruppentagung "Mediatisierung von Religion und Religiösität" 2017

 

Die zweite Projektgruppentagung der Projektgruppe "Religion und Religiosität im Kontext medialer Transformationsprozesse der Gegenwart“ findet vom 22.–24. September 2017 unter dem Thema „Mediatisierung von Religion und Religiosität“ in Würzburg statt.

 

Das Tagungsprogramm finden Sie hier: Programm

 

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