Praktische Theologie

Projektgruppenantrag Sektion Praktische Theologie in der WGTh
"Das Verhältnis von Praktischer Theologie und Religionspädagogik"

Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong; Prof. Dr. Thomas Schlag; Prof. Dr. Bernd Schröder

 2017-2019

 

Nicht nur innerhalb der WGTh firmiert die Religionspädagogik als Teildisziplin Praktischer Theologie – ebenso verhält es sich in der Fachstruktur der überwiegenden Zahl evangelisch- theologischer Fakultäten, in den meisten der wenigen wissenschaftstheoretischen Verhältnisbestimmungen sowie in Lehrbüchern, die eine Gesamtdarstellung Praktischer Theologie bieten. Von dort her legt die enge disziplinäre Verwandtschaft gemeinsame Fragestellungen und Forschungskooperationen nahe.

Allerdings ist gegenläufig zu beobachten, dass

  •  die Dynamik von Lebenswelt und Individualisierung der Akteur*innen eine Komplexität erreicht hat, die erhebliche Spezialisierungen innerhalb von Praktischer Theologie und Religionspädagogik erforderlich werden ließ;

  • der praktisch-theologische und religionspädagogische Diskurs thematisch, in interdisziplinärer Hinsicht und methodologisch sowie oftmals auch personell abgekoppelt ist von den Erkenntnishorizonten und Diskursen innerhalb der je anderen Teildisziplin(en): So sind die Diskurse in der Religionspädagogik häufig stark an den bildungswissenschaftlichen Theoriehorizonten, Entwicklungen und Themen (Erziehungswissenschaft, Bildungssoziologie, etc.) orientiert, während in der Praktischen Theologie auf anderen  Feldern (Homiletik/Liturgik, Poimenik, Diakonik, Kirchentheorie/Kybernetik usw.) ekklesiologische Fragestellungen und demensprechend  andere  Referenzwissenschaften  (Psychologie, Kulturwissenschaften) im Vordergrund stehen;

  • Professuren für „Religionspädagogik“ inzwischen vielfach außerhalb Theologischer Fakultäten in den sog. Instituten für Ev. Theologie angesiedelt sind und weder von der erforderlichen Qualifikation der Stelleninhaber*innen noch von deren Forschungs- und Lehrgebiet her auf die Praktische Theologie insgesamt bezogen sind; wissenschaftsorganisatorisch haben sich in diesen Fällen Religionspädagogik und Praktische Theologie deutlich von einander gelöst;

  • Nachwuchswissenschaftler*innen sich selten sowohl im Bereich Religionspädagogik als auch in einer der anderen praktisch-theologischen Disziplinen qualifizieren, sondern die Entscheidung für Religionspädagogik oder Praktische Theologie häufig bereits mit der Promotion erfolgt.

Angesichts dessen will die beantragte Projektgruppe das Verhältnis der beiden Fächer systematisch ausleuchten und eine Präzisierung der Verhältnisbestimmung anbahnen – idealerweise endet dieser Sondierungs- und Konstruktionsprozess mit der Verabschiedung eines einschlägigen Positionspapiers, gegebenenfalls auch einer thematisch orientierenden Publikation.

Im Rahmen der anvisierenden Tagung(en) sind zu beleuchten …

1.   Wissenschaftstheoretische Aspekte

  • Ein vergleichender Blick auf die jeweils herangezogenen innertheologischen und außertheologischen Theoriebestände in den Diskursen – 1 Referent*in

  • Umgang mit religiöser Pluralität und entsprechende hermeneutische Orientierungen in beiden Bereichen – 1 Referent*in

2.   Historische Aspekte

  • Wissenschaftsgeschichte der Praktischen Theologie – 1 Referent*in

  • Genese der „Religionspädagogik“ als Disziplin – 1 Referent*in

3.   Empirisch-wissenschaftsorganisatorische Aspekte

  • Bestandsaufnahme der Professuren für PTh/RP in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Einordnung in Fakultäten, Schwerpunkte der Forschung) – 3 Referent*inn*en

  • Porträtierung von (nationalen wie internationalen) Fachverbänden sowie wissenschafts- politischen, kirchlichen und berufsbezogenen Institutionen, in denen Praktische Theolog*inn*en und Religionspädagog*inn*en als Expert*inn*en aktiv sind  – 2 Referent*inn*en

4.   Forschungsmethodologische Aspekte und Mikrostudien

  • Vergleichende Blicke auf die empirischen Forschungen der letzten Jahre in der RP und der PT; Auseinanderdriftende und parallele Entwicklungen – 2 Referent*inn*en

  • Religionspädagogische Perspektiven und Facetten homiletisch-liturgischer, gemeinde-/religionspädagogischer und/oder kirchentheoretischer Forschung – 1 Referent*in

  • „Praktisch-theologische“ Wissensbestände und Theorien in religionspädagogischer Forschung und Lehre (etwa am Beispiel Religion im Schulleben / Schulseelsorge) – 1 Referent*in

5.   Internationale und interreligiöse Aspekte

  • Verhältnis von PTh und RP in ausgewählten nicht-deutschen Wissenschaftskontexten, etwa England , USA, Norwegen – je 1 Referent*in

  • „Praktische Theologie“ und „Religionspädagogik“ im Judentum (Bsp. Deutschland) und Islam (Bsp. Türkei) – 2 Referent*inn*en

6.   Berufstheoretische Aspekte

  • Entwicklungen des Berufsverständnisses in praktisch-theologischen und religionspädagogischen Handlungsfeldern – 2 Referent*en

Angestrebt wird die Klärung und Diskussion einschlägiger Facetten im Rahmen zweier Tagungen, die ca. 20 Expert*inn‘en aus Religionspädagogik und anderen Bereichen der Praktischen Theologie aus diversen nationalen und religiösen Kontexten zusammenführen.

Für die Durchführung beider Tagungen wird eine Summe von € 5000.- beantragt.

Tagungstermin(e): Frühjahr 2018 und Frühjahr 2019
Präferierter Tagungsort: Göttingen (Alte Sternwarte)

Träger*inn*en der Projektgruppe:  Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong, Prof. Dr. Thomas Schlag, Prof. Dr. Bernd Schröder

Göttingen, Kiel, Zürich, 8. 10.2016

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